ZIELSETZUNG
"Es geht […] in erster Linie nicht darum, die Phänomene des Wandels, denen wir ausgesetzt sind, zu interpretieren, sondern zu lernen, mit Veränderung umzugehen, sich von ihr leiten zu lassen und sie zu meistern, wie der Reiter sein Pferd, der Surfer seine Welle. Dazu soll dieses Buch einen Beitrag liefern." (S. VI)
Das vorliegende Buch versteht sich als Handbuch, Lesebuch und Lernbuch.
ZIELGRUPPE
Die Autoren richten sich an Praktikerinnen und Praktiker, die "neue Antworten auf bestehende, vorausgeahnte und - ja, unvorhergesehene Probleme" geben und in "ihrem Verantwortungsbereich schöpferisch tätig" sein wollen. Das sind unter anderem "Lehrerinnen, Trainer und Coaches, die denen, die sich ihnen anvertrauen, auf einfache Weise vermitteln wollen, dass komplexes Denken zu weit weniger Komplikationen führt als vereinfachendes Denken."
Meines Erachtens sind damit auch Personen mit Führungsverantwortung sowie in Projekt- und Wissensmanagement angesprochen.
AUFBAU
Das Buch gliedert sich in 3 Teile.
Teil 1 - Bietet eine Einführung in systemisches Denken und Handeln sowie die Steuerung komplexer Syteme, und gibt darüber hinaus praktische Hinweise.
Tei 2 – Beschreibt die Instrumente. Sie decken die Phasen eines Projekt- oder Programmzyklus ab: Diagnose - Planung - Umsetzung – Ergebnisbewertung.
Die Instrumente sind in insgesamt 13 Kategorien unterteilt, gegliedert in zwei Hauptgruppen:
- Grundinstrumente (A - C): elementar, universell einsetzbar
- Angewandte Instrumente (D - M): bestimmten Phasen des Zyklus zuordenbar
Teil 3 – Im Anhang sind Geleitworte sowie ein Literatur- und Stichwortverzeichnis zu finden.
INSTRUMENTE
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung …
alles Mittel ist Hindernis.
Nur wo alles Mittel zerfallen ist,
geschieht die Begegnung.
Martin Buber, 'Ich und Du'" (S. 41)
Ich möchte Instrumente beispielhaft herausheben, mit denen ich mich gerade näher befasse. Es handelt sich um universell einsetzbare Grundinstrumente.
B – Visualisieren
Ich interessiere mich für Modelle zur Unterstützung von Strategieentwicklung und Entscheidungsfindung, die Unsicherheit und Komplexität einbeziehen. Die Autoren gehen im Kapitel "Visualisieren" auf die Modellierung von Systemzusammenhängen ein. Sie beschreiben, wie wir qualitativ und quantitativ modellieren können. Dabei stellen sie die Instrumente Wirkungsdiagramme und Flussdiagramme vor.
Es gibt mittlerweile schon Software zur Unterstützung der Modellierung. Ich werde in einem weiteren Artikel die Software Consideo Modeler vorstellen und auch das Buch "Modelst Du schon- oder tappst Du noch im Dunkeln?" von Kai Neumann.
C3 – Inszenieren/Aufstellungsarbeit
Meine Co-Bloggerin Annette Hexelschneider hat schon hingewiesen auf systemische Strukturaufstellungen, um Lösungen sichtbar zu machen (Link zum Artikel). Sie hat dabei auch auf das Wochenendseminar mit Holm von Egidy als Coach in Wien aufmerksam gemacht. Ich werde an diesem Workshop teilnehmen und bin schon sehr gespannt darauf!
Mit besonderem Interesse habe ich daher die Beschreibung des Instrumentes Aufstellungsarbeit gelesen. Die Autoren gehen auf die Wurzeln in der Familientherapie ein.
Dieses Instrument nützt unsere räumliche Wahrnehmung. "Mithilfe von Stellvertretern, die die Konfiguration eines sozialen Systems aus der Sicht eines Fragestellers (Klienten) darstellen, ist es möglich, von einem als problematisch empfundenen Zustand durch Umstellung zu einer als lösend und kraftvoll empfundenen Konfiguration (Lösungsbild) zu gelangen." (S. 102)
Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer haben die Aufstellungsarbeit weiterentwickelt zur Systemischen Strukturaufstellung.
FAZIT
Ich habe in meinem Blogartikel "Wissensmanagement in der Krise – Krise im Wissensmanagement, Teil 3" zu Strategieentwicklung und Entscheidungsfindung erwähnt, dass wir meines Erachtens angemessen und konstruktiv mit komplexen Situationen umgehen, wenn wir zunächst einmal überhaupt von komplexen Systemen ausgehen, um sodann die mit der Komplexität verbundenen Unsicherheiten zu akzeptieren und in unsere Modelle einzubauen. Im Wissensmanagement tätige Personen könnten hierfür Modelle und Tools vorstellen.
Das vorliegende Buch stellt Instrumente systemischen Handelns in sehr ansprechener Form vor. Die Autoren bringen ihre Erfahrungen aus der Regionalentwicklung ein.
Was mir besonders gefällt:
- Die kompakte Einführung in systemisches Denken und Handeln sowie die Steuerung komplexer Systeme;
- die Zitate, die den einzelnen Abschnitten vorangestellt sind;
- die übersichtliche Gliederung in Kapitel und Unterkapitel;
- die übersichtliche Strukturierung der einzelnen Instrumente;
- bei den einzelnen Instrumenten: weiterführende Literatur und Websites;
- bei den einzelnen Instrumenten: Einschätzung des Nutzens und der Leistungsfähigkeit.
Über die Behauptung im Kapitel "Sprechen", dass die Inuit zehn Wörter für Schnee kennen ("Wenn die Inuit zehn Worte für Schnee kennen und die Araber nur eines, liegt das daran …", S. 43), bin ich allerdings irritiert gestolpert.
Das Buch ist ein hilfreiches Arbeitsbuch und Nachschlagewerk, um nach und nach einzelne Instrumte einzusetzen. Die Autoren betonen, dass ein Instrument auch in banalisierender und mechanistischer Form angewandt werden kann. Trotzdem sind die vorgestellten Instrumente ihrer Meinung nach geeignet, systemisches Denken und Handeln zum Wirken zu bringen: "Dem Instrument entlocken jene den Zauber, die darauf zu spielen wissen." (S. 38)
Aus meiner Sicht ein sehr empfehlenswertes Buch für Personen, die sich mit Wissensmanagement beschäftigen. Ich selbst – ich möchte lernen auf dem Instrument zu spielen: üben, üben üben …!

Autoren: Baumfeld, Leo; Hummelbrunner, Richard; Lukesch, Robert
Titel: Instrumente systemischen Handelns. Eine Erkundungstour
Verlag: Rosenberger Fachverlag
Jahr: 2009
ISBN: 978-3-931085-69-8

Früher war der technische Aufwand für Video-Konferenzen enorm. Heute ist es ein Kinderspiel, auch wenn die beliebteste Plattform für synchrone Kommunikation (Skype) keine Video-Konferenzen anbietet. Dafür tun das einige andere, wie z.B. Vivu.
ViVu kann von Computern aller Betriebssysteme aktiviert werden und ist auch über den Browser nutzbar. Es bietet Präsentationsmöglichkeiten, Video-Aufzeichnungen, Chat-Funktionen. Es ist keine Installation notwendig. Der Dienst ist kostenpflichtig.

Team-Arbeit und Vielfalt (diversity) waren und sind Konzepte, die entscheidend für den Firmenerfolg sein sollten. Doch nicht jede Zutat verbessert jedes Gericht.
Der hier besprochene Artikel beleuchtet Vielfalt von Team-Mitgliedern und deren Auswirkung auf soziale Identifikation, Zusammenarbeit und Wissenstransfer in Firmen-Teams. Vielfalt bedeutet für die im Artikel untersuchten Teams, Mitglieder aus verschiedenen Nationen, mit unterschiedlichen ethnischen und funktionalen Hintergründen und unterschiedlichen Bildungsständen zu haben, die in verschiedenen Niederlassungen arbeiten. Diese Teams haben zudem nur begrenzt die Möglichkeit zu direkter face-to-face Kommunikation.
In der heutigen Welt sind verteilte Teams Alltag in Firmen. Mit welchen integrierenden Maßnahmen kann der Herausforderung begegnet werden? Die Literaturanalyse im Artikel zeigt, dass soziale Identifikation mit dem Team die komplexe Beziehung zwischen Vielfalt und Wissensaustausch positiv beeinflussen kann. Gefühlte Sicherheit, wahrgenommener Support seitens der Firma, Gerechtigkeit, Vertrauen und Beachtung können positiv beeinflussen wie Menschen mit Wissen umgehen.
Es gibt „high-care environments“ mit Vertrauen und dem Ziel Kollegen zu helfen „to reach a - maximum leverage on others knowledge-“. Und es gibt „low-care environments“ in denen sich die MitarbeiterInnen eher nur um ihre eigene Produktivität kümmern und versuchen, ein Maximum an „Zurechtkommen“ zu erreichen, egal welche Probleme ihre KollegInnen haben.
Was macht Vielfalt im Team schwierig? Zum Beispiel die sehr verschiedene Art und Weise Unsicherheit zu vermeiden, die Bandbreite des Verhaltens zu Macht, die Bandbreite von Individualismus und Männlichkeit.
Eine große ideelle Entfernung zwischen Team-Mitgliedern bringt Verständnis-Probleme wegen des „lack of overlap in their cognitive frames“. Bei geringerer ideeller Entfernung wird es jedoch als weniger notwendig angesehen voneinander zu lernen.
Der vorliegende Artikel untersucht die Hypothesen aus der Literaturstudie in einer internationalen Firma mit Hauptsitz in den Niederlanden mittels eines Fragebogens. Gefragt wurde nach
• Wissensaustausch,
• sozialer Identifikation,
• Vielfalt von Expertise,
• Vielfalt der Werte
• und Zusammenarbeit.
Mit dem Ergebnis: “Knowledge sharing bears positive relations with interdependence and social identity, while value diversity correlates negatively with knowledge sharing and social identity. Between expertise diversity and knowledge sharing there is no relation.“
Soziale Identifikation mit dem Team zu stärken, kann den Wissensaustausch im Team verbessern. Vielfalt der Werte hat jedoch negative Effekte auf den Wissensaustausch. Wenn Teams gebildet werden, sollte der Werte-Vielfalt viel Aufmerksamkeit geschenkt werden und die Identifikation mit dem Team muss kontinuierlich gestärkt werden. Natürlich kostet das Zeit und Geld. Nicht geteiltes Wissen ist dagegen erst einmal kein offensichtlicher Kostenfaktor...
Vielfalt im Team bringt Vielfalt an Expertise für ein Projekt. Dieser scheinbar positive Effekt kann aber nur erzielt werden, wenn die o.g. Herausforderungen weder vergessen noch unterschätzt werden.
Post von Annette Hexelschneider (www.serve2know.com)

Titel: Sharing knowledge, being different and working as a team
Autor: Bastiaan Rosendahl
Journal: Knowledge Management Research & Practice
Year: 2009, 7, 4-14
Publisher: palgrave macmillian

Und wieder ein Werkzeug mehr (siehe auch BookOnDemand, ), das angehende Autoren nutzen können, um ihr Werk
- zu verfassen
- ein Feedback zu erhalten
- Korrektur zu lesen
- und auf diversen online Plattformen wie Amazon oder Barnes&Noble zu vertreiben.
Das Tool nennt sich FastPencil, ist kostenlos und einfach strukturiert.  
Für die Autoren des hier besprochenen Lehr- und Handbuches für Studiengänge der Wirtschaftsinformatik ist Informationsmanagement „auf Information und Kommunikation gerichtetes Leitungshandeln in Organisationen, also alle Führungsaufgaben, die sich mit Information und Kommunikation befassen“.
Die Publikation liegt in der 9. Auflage vor und das Vorwort zeigt, das die Autoren sich kontinuierlich um die Aktualisierung und Erweiterung der Publikation bemühen. Dieser erste Eindruck wird nicht enttäuscht, das Buch außerdem sehr gut strukturiert in die Kapitel
• Grundlagen des Informationsmanagements,
• Strategische Aufgaben des Informationsmanagements,
• Administrative Aufgaben des Informationsmanagements,
• Methoden des strategischen Informationsmanagements,
• Methoden des administrativen Informationsmanagements,
• Fallstudien Informationsmanagement.
Diese Kapitel sind in Lerneinheiten gegliedert, mit Lernziel, Definitionen, Stoffinhalt, Forschungsbefunden, Praxis, Methodenverweisen, Quellen, Vertiefungsliteratur, Informationsmaterial, Normen. Die Texte werden durch hilfreiche Abbildungen ergänzt. Ein angenehmes Novum, da bei vielen Fachbüchern gerade an den Abbildungen zu sehr gespart wird.
Wissensmanagement vs. IT, diese ungünstige Konstellation habe ich 2007 hier beschrieben. Ein Gegeneinander hilft niemandem. Jede Abteilung in einer Firma hat ihren Sinn. Sonst wäre sie nicht geschaffen worden. Nur gemeinsam kann eine Firma überleben. Ich weiß, das klingt nach utopisch perfektem Management und das es das nicht gibt, ist auch klar. Trotzdem bin ich auch nach relativ langem Berufsleben immer noch bemüht kein vs. zwischen Abteilungen aufkommen zu lassen. In meinem eigenen Fall ist Wissensmanagement und IT kein Problem, da beide in meiner Abteilung in unserem Forschungszentrum vereint sind. Was unter Umständen eine Ausnahme ist. Das Buch „Informationsmanagements“ ist interessant für WissensmanagerInnen mit und ohne IT-Verantwortung. Es zeigt ausführlich, was Informationsmanagement heute beinhaltet, wie umfangreich, wie komplex und wie lebensnotwendig dieses Thema für eine Firma ist.
Für interessierte Wissensmanager ist ein vollständige Lektüre sicher weder empfehlenswert noch machbar (548 Seiten, dicht gepackt mit Informationen). Aber die Lektüre der für Wissensmanager persönlich und in der Zusammenarbeit mit der IT interessantesten Kapitel oder die Nutzung des Buches bei aktuellen Problemen in der Arbeit, bringt viele Denkanstöße. Mir geht es so, das ich angesichts des ständigen Zeitmangels oft nur Publikationen zu den absoluten Kernthemen meiner Arbeit lesen kann Immer einmal wieder „auszubrechen“, wie mit diesem Buch, weitet den Blick.
Interessant ist u.a. auch das Kapitel zu den „Stellenbildern des Informationsmanagements“ und die Diskussion Informationsmanager vs. IT-Manager.
Dem Bestimmen der strategischen Rolle der Informationsfunktion wird ein Kapitel gewidmet, das in seiner Vorgehensweise sehr gute auch für das Wissensmanagement taugt, um gegenwärtiges und künftiges Leistungspotenzial, sowie Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit systematisch zu betrachten.
Bei der Lektüre des Kapitels „Katastrophenmanagement“ (u.a. Vorsorgeplan, Einsatzplan, Wiederanlaufplan) stellt sich für jeden Wissensmanager die Frage, inwieweit sie in diese Planungen ihrer Firma bereits einbezogen sind oder inwieweit sie selbst Vorsorge treffen müssen.
Das Kapitel „Lebenszyklusmanagement“ beschäftigt sich mit selbigem sowie Ursachen für den Veränderungsbedarf am Anwendungs-Systembestand. Ein Thema auch für WissensmanagerInnen.
Die Kapitel „Wissensmanagement“ und „Methoden des Wissensmanagement“ behandeln beide Themen sehr erfrischend und ohne Umschweife. Ein Zitat:„Viele Autoren (z.B. Gold/Malhotra/Segars, Riempp und Schütt) haben drauf hingewiesen, das viele Wissensmanagementvorhaben scheitern, weil lediglich einzelne Elemente des Wissensmanagements (Z.B. Informationssystem) implementiert werden, ohne diese angemessen in den jeweiligen Kontext zu integrieren.“ (S. 295)
Eine kommunizierte Service Strategy, wie im Kapitel „Servicemanagement“ skizziert, bestehend aus Service Design, Service Transition, Service Operation würde sicher auch die Services einer WM-Abteilung anschaulich im Zusammenhang darstellen und beim internen Marketing hilfreich sein.
Um die IT-KollegInnen besser zu verstehen, neue Ansatzpunkte in der Zusammenarbeit zu finden oder sich zu inspirieren - die Lektüre des Buches lohnt sich.
Webseite zum Buch u.a. mit Leseprobe des Kapitels „Wissensmanagement“
Post von Annette Hexelschneider (www.serve2know.com)
Lutz J. Heinrich, Dirk Stelzer
Informationsmanagement
Grundlagen, Aufgaben, Methoden
9., vollständig überarbeitete Auflage 2009. II, 588 S., gb.
€ 49,80
ISBN 978-3-486-59068-5
Lehrbuchreihe Wirtschaftsinformatik 
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